Wie viel Sanierungspotenzial in Bestandsimmobilien steckt, ist sehr verschieden. Klar ist, dass das Instandhalten einer Immobilie in jedem Fall wichtig ist. Aber nicht nur wer regelmäßig notwendige Reparaturen durchführen lässt, hat Vorteile. Eigentümer, die heute schon an morgen denken, sind vorbereitet, wenn sich Lebensumstände plötzlich ändern. Mit dem Programm Altersgerecht Umbauen fördert die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unter Anderem den Abbau von Barrieren. Wie wichtig es sein kann, sich mit diesem Thema frühzeitig zu beschäftigen, hat unsere FörderWelt-Autorin erlebt.
Moderner Wohnkomfort hinter alten Mauern
Wenn ich an den letzten Urlaub mit der Familie denke, fällt mir sofort unsere Unterkunft ein. Das kleine, von außen recht unscheinbare Backsteinhaus, überzeugte durch gehobenen Wohnstandard. Es war erst kürzlich gründlich saniert und modern eingerichtet worden.
Großes Augenmerk hatten die Ferienhausbesitzer beim Sanieren auf die Barrierefreiheit gelegt. Das schicke Badezimmer ist mir in besonderer Erinnerung geblieben. „Die Badewanne hat eine Tür zum Einsteigen“, staunte meinte Tochter. Meinem Sohn gefiel gleich die ausklappbare Sitzgelegenheit in der Dusche. Darauf könne man morgens unter warmem Wasser weiterschlafen.
Mir selbst gefiel der Gedanke, dass körperlich eingeschränkte Menschen sich hier genauso gut aufgehoben fühlen konnten wie wir. Die bodengleiche Dusche fand ich sehr komfortabel. Die an verschiedenen Stellen im Raum angebrachten Haltegriffe hatten sicher für den ein oder anderen Vorteile. Zu Hause waren wir von diesem hohen Standard weit entfernt.
Ein Eigenheim mit Potenzial
Vor 15 Jahren hatten wir unser damals 25 Jahre altes Haus gekauft und seitdem Einiges erneuert, unter anderem das schadhafte Parkett im Ober- und Untergeschoss. Auch die nicht mehr funktionstüchtige Gasheizung musste gegen eine neue ausgetauscht werden. Und das waren nur zwei der vielen notwendigen Investitionen am und im Haus gewesen. Eine Sanierung unserer Bäder hatten wir angedacht, dann aber aufgeschoben. Mit dem etwas in die Jahre gekommenen Fliesen-Design konnten wir leben. Die hohen Einstiege in Dusche und Badewanne stellten für uns bisher keine Hindernisse dar.
Auf der Rückreise aus dem Urlaub kamen wir noch einmal auf das Ferienhaus zu sprechen. Insbesondere das schicke Bad würde uns fehlen. Aber war „schick“ ein guter Grund, um das letzte Ersparte in einen kostspieligen eigenen Badumbau zu investieren? Würde das Geld dafür überhaupt ausreichen? Zudem müssten die Arbeiten im „Familien-Betrieb“ erfolgen. Das stellte ich mir sehr aufwendig vor. Wir waren uns schnell einig: Erst wieder Geld ansparen und in einigen Jahren erneut über eine Badsanierung nachdenken.
Wenn das eigene Zuhause zur Hürde wird
Der Anruf eines guten Freundes änderte unsere Meinung. Seine chronische Krankheit hatte sich unvorhergesehen so verschlechtert, dass an Bewegen ohne Hilfe nicht mehr zu denken war. Die Chancen auf eine langfristige Besserung schätzten die Ärzte als gering ein. Wenn das so käme, musste er grundlegend über seine jetzige Wohnsituation nachdenken. Den schicken zweigeschossigen Altbau hatte er vor einigen Jahren zusammen mit seiner Frau gekauft und Schritt für Schritt hergerichtet. Jetzt war plötzlich nicht nur die über Stufen zu erreichende Eingangstür für ihn zur unüberwindbaren Hürde geworden. Im Haus gab es weitere: Schmale Zimmertüren, die man nicht mit Rollator betreten konnte, Treppen in die oberen Geschosse und Bäder, die für einen in der Bewegung stark eingeschränkten Menschen nicht geeignet waren.
Frühzeitig vordenken und Maßnahmen ergreifen
Die Situation unseres Freundes machte meinem Mann und mir bewusst, wie schnell sich das Leben ändern konnte. Umgehend nahmen wir deshalb unsere eigene Wohnsituation unter die Lupe: Welche Barrieren müssten wir vor und im Haus abbauen, um im Fall der Fälle vorbereitet zu sein? Einen ebenerdigen Eingangsbereich und breite Zimmertüren hatten wir bereits. Einzelne Zimmer konnten schnell vom Ober- ins Erdgeschoss verlegt werden. Großer Umbaubedarf lag eindeutig bei den Bädern, den wir jetzt nicht länger aufschieben wollten.
Altersgerecht Umbauen ist keine Frage des Alters
Unsere Recherchen im Internet bestätigten, dass eine Badsanierung nicht günstig ist. In den letzten Jahren hatten wir unsere „Projekte“ im und um das Haus hauptsächlich mit Eigenmitteln finanziert. Für neue und funktional ausgestattete Bäder fehlte jetzt das Geld.
Weiter zu sparen und irgendwann zu sanieren, kam nach der Nachricht des Freundes nicht mehr in Frage. Stattdessen vereinbarten wir mit der Förderberaterin unserer Hausbank einen Termin. Sie riet uns einen Förderkredit für die Badsanierung aufzunehmen: „Als Mittvierziger sind Sie zwar noch weit von alt entfernt, ich empfehle Ihnen für Ihr Vorhaben aber trotzdem das KfW-Programm Altersgerecht Umbauen. Das können Sie altersunabhängig beantragen. Gestalten Sie Ihr Bad barrierefrei nach ihren Wünschen. Dafür steht Ihnen im Programm ein zinsgünstiges Darlehen bis zu 50.000 Euro zur Verfügung.“
Das Förderprogramm war genau das, was wir für unser Vorhaben brauchten. Dankend nahmen wir auch den Hinweis der Bankberaterin auf, vor der Aufnahme des Kredits den Kontakt zu einer Wohnberatungsstelle in unserer Nähe zu suchen. Diese würde einen Experten zum Thema barrierefreies Bad zu uns nach Hause schicken. In einem Vor-Ort-Termin ließe sich dann genau sagen, welche Maßnahmen für unsere Bäder in Frage kämen.
Nach dem Gespräch mit unserer Bankberaterin informierten wir unseren Freund. Wir teilten unser Wissen und legten ihm ans Herz, sich ebenfalls zum Thema Barrierefreiheit bei seiner Hausbank beraten zu lassen.
Mit Förderung zu mehr Wohnkomfort
Kürzlich besuchte uns der Experte der Wohnberatungsstelle, der uns umfassend über unsere Möglichkeiten in puncto Badumbau informierte. Seitdem wissen wir, dass es das eine barrierefreie Bad nicht gibt, dafür aber eine Menge individueller Lösungen, die man grob in senioren-, rollstuhl- und behindertengerecht einteilen kann.
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Eine bodengleiche Dusche, verschiedene Haltegriffe an Badewanne, WC und Waschbecken sind beispielsweise bereits seniorengerecht. Wer noch mehr machen möchte, kann rutschfeste Fliesen verlegen lassen, um Stürzen vorzubeugen. Das Licht sollte an den richtigen Stellen angebracht sein und darf nicht blenden. Die sinnvolle Alternative zu Heizkörpern ist eine Fußbodenheizung. Die in den Boden eingelassenen Heizschleifen sind platzsparend und lassen nasse Stellen am Boden schneller trocknen.
Noch deutlich höhere Anforderungen an die Barrierefreiheit besteht bei rollstuhlgerechten Bädern: Wichtig sind breite Zugangstüren, höhenverstellbare Waschtische und Toiletten sowie ausreichend große Duschen und Badewannen, bei denen der Einstieg besonders niedrig sein muss. Auch hier ist der Einbau rutschhemmender Materialen und einer Fußbodenheizung sehr sinnvoll.
Wie bedarfsgerecht dieses Bad ausgestattet sein muss, kommt auf den Einzelfall an. Ein Blinder benötigt eher einen speziellen Alarmknopf oder besondere Handgriffe, leicht zu bedienende Armaturen mit Verbrühschutz sowie gut erreichbare Steckdosen und Türgriffe. Ein körperlich eingeschränkter Mensch benötigt vielleicht eher den verstellbaren Waschtisch und verzichtet dafür auf einen Alarmknopf.
Es kommt auf die individuellen Ansprüche an, die man an sein Bad stellt. Und nicht zuletzt darauf, wie viel Geld man investieren kann und möchte. Wir haben uns für den Einbau einer bodengleichen Dusche und eine einstiegsfreundliche Badewanne entschieden. Dezente Haltegriffe werden wir so anbringen lassen, dass sie im Alltag nicht stören, aber bei Bedarf eine Hilfe sind. Die Kinder freuen sich über einen höhenverstellbaren Waschtisch, der „mitwächst“ und ich mich auf ein ganz neues, modernes Design.
Inzwischen haben wir aus einigen Angeboten einen Meisterbetrieb für die Arbeiten ausgewählt und im Anschluss den Kredit bei unserer Hausbank beantragt. Die Zusage für die Badsanierung von rund 32.000 Euro ist jetzt da. In Kürze werden wir das „Projekt“ Bad ohne Barrieren angehen.
Auch die Kreditzusage für unseren Freund steht kurz bevor. Er möchte mit den maximal 50.000 Euro aus dem KfW-Programm gleich mehrere Maßnahmen umsetzen lassen, die ihm den Alltag in Zukunft deutlich erleichtern sollen.